PFLEGE BEI PATIENTEN MIT VENOVENÖSER HÄMOFILTRATION
DGuKP. Wilfried Schabauer, Allgemein-Chirurgische
Intensivstation, Innsbruck
Die Hämofiltrationseinheit
Für die CVVH mit dem System BM11 (Fa. Brady) und Equaline,
das an unseren Intensivstationen verwendet wird, sind mehrere Geräte
erforderlich:
a) Die Blutpumpe besteht aus einer Rollerpumpe, deren Flow zwischen 40-350 ml/min frei wählbar ist und Überwachungssensoren. Eine Drucküberwachung der Blutes vor ("arteriell") und nach ("venös") der Spule, ein Blutleckdetektor für das Ultrafiltrat, und ein Ultraschall-Luftdetektor für das in den Patienten hineinfließende Blut. Eine Druckanzeige gibt graphisch Auskunft über die derzeitigen Druckverhältnisse im System. Üblicherweise beträgt der eingestellte Flowbereich der Pumpe 80-200 ml/min (wird nach der Ultrafiltrationsrate eingestellt). Die Blutdruckwerte im Hämofiltrationssystem sollten 300 mmHg nicht überschreiten - wenn doch, so sollte ein Neuaufbau erfolgen.
b) Eine Präzisionswaage mit 2 Messeinrichtungen (Waage für Infusat und Ultrafiltrat). Sie misst kontinuierlich die Ultrafiltratmenge und infundiert die Substitutionslösung, je nach eingestellter Bilanz (Schwerkraftinfusionssystem). Das System ermöglicht eine exakte Flüssigkeitsführung des Patienten. An der oberen Waage, die sich hoch über dem Thorax des Patienten befindet, wird das Infusat (= Substitutionslösung) befestigt. An der unter dem Spulenniveau gelegenen unteren Waage befindet sich der Ultrafiltratauffangbeutel.
c) Mit einer Spritzenpumpe wird das zur Gerinnungshemmung notwendige Medikament (meistens Heparin) kurz vor der Spule eingebracht.
d) Wird eine Diafiltration durchgeführt, so infundiert eine Infusionspumpe gegensätzlich zum Blutstrom eine definierte Lösung, um die Effektivität der Ultrafiltration durch Diffusion zu verstärken. Das Diafiltrat wird mit dem Infusat auf die obere Präzisionswaage gehängt und mitbilanziert. Die Diafiltrationsmenge sollte mindestens 1-1,5 l/h betragen.
Überwachungssysteme:
a) an der Blutpumpe:
Druckalarme: die Druckaufnehmer messen die Drücke vor und nach
der Spule. Im "Füllzustand" sind die Druckalarmgrenzen sehr
weit gestellt. Im Betrieb stellen sich die Grenzen automatisch auf einen engen
Bereich ein. In den Luftfallen befindet sich immer Luft, die das Druckverhalten
des Blutes an die Druckaufnehmer weiterleitet. Zu beachten ist, dass die Konnektionsstellen
absolut fest sitzen müssen, da sonst keine korrekte Druckmessung erfolgen
kann (Luft strömt aus). Ebenso muss die Druckzuleitung frei von Blut
sein, da Blut die dort eingebauten Filter verstopfen würde.
Luftalarm im venösen System: nach der "venösen"
Luftfalle erfolgt die Überprüfung des gereinigten Blutes auf Luftblasen
(Luftemboliegefahr) mittels Ultraschalls. In diesem Messbereich dürfen
keine Luftblasen lokalisiert sein, sonst sperrt die weiter unten gelegene
Sicherheitssperre und der Blutfluss wird gestoppt.
Blutleckdetektor: der auf der Seite des Gerätes montierte Blutleckdetektor
überprüft mittels Licht das Ultrafiltrat auf Blut.
b) an der Equaline:
Gewichtsüberwachung: die beiden Waagen überwachen das Gewicht
des Ultrafiltratbeutels und des Substitutionsbeutels. Hierfür kann für
die Substitution (obere Waage) ein Minimalgewicht (~ 250 g) eingestellt werden,
bei dem die Equaline alarmiert und "leer" unterhalb des "Infusat"
Aufdruckes erscheint. Beim Ultrafiltrat wird das maximale Gewicht (4500-5000
g) eingestellt. Bei Überschreiten der Menge im Ultrafiltratbeutel wird
mit "voll" unterhalb des "Ultrafiltrat" Aufdruckes an
der Anzeige alarmiert.
Minimale UF-Rate: wird die minimale Ultrafiltratrate (richtet sich
nach den Vorgaben für den Umsatz, mindestens aber 18 ml/min) unterschritten,
so gibt die Waage Alarm. Die UF-Rate in der 2. Zeile (ml/min) beginnt zu blinken.
Bilanzierung: auch die Bilanz wird automatisch überwacht. So kann
eine stündliche Menge an Substitutionsflüssigkeit angegeben werden,
die zusätzlich infundiert oder abgezogen werden soll.
Bilanzabweichung: diese Überwachung alarmiert, wenn die Equaline
nicht mehr genügend nachinfundieren kann (Klemme am Hämfilbeutel
geschlossen, Substitutions-lösungszugang verstopft,...). Auch die Überinfusion
im manuellen Betrieb, bei Unterschreiten des stündlichen Bilanzierungssolls
oder bei inkorrekter Einlage des Infusionssystems wird alarmiert.
Perfusoren, Infusomaten: Hier sind Druckalarme, Volumenalarm, etc.
standardmäßig vorhanden (siehe Gerätebeschreibung)
Inbetriebnahme der Hämofiltration
Besonders der erstmalige Beginn der Hämofiltration muss
engmaschig überwacht werden, um akute Veränderungen sofort beheben
zu können. Ist der Patient in einem Schockgeschehen und reagiert auf
geringe Flüssigkeitsverschiebungen bereits mit Blutdruckabfällen,
so ist ein behutsames Vorgehen notwendig.
Da beim Anschluss der Hämofiltration dem Körper etwa 200 ml Blut
entnommen werden, besteht die Möglichkeit, dem Patienten bereits kurz
vor dem Beginn ~ 250 ml an Flüssigkeit in Form von Infusionen zu geben.
Der Blutdruckabfall wird damit abgefangen. Ebenso kann die Katecholamindosis
erhöht werden.
Ist der Patient trotz des Volumenverlustes stabil, so muss keine Gegenregulation
erfolgen.
Auf keinen Fall sollte die Spülflüssigkeit als Volumenersatzmittel
verwendet werden, da sich in ihr noch Reste der Konservierungsstoffe und Antikoagulantien
befinden können.
1) Arzt über fertigen Aufbau informieren. Bei Erstverwendung
sollte er beim Patienten anwesend sein. Kollegen, die noch keine Praxis im
Handling der Hämofiltration haben, sollten ebenfalls einen Arzt zur Beobachtung
hinzuziehen. Gleiches gilt auch bei instabilen Patienten.
2) System noch einmal auf sichere Konnektion überprüfen. Das Material
zum Abhängen sollte gerichtet sein, ebenso natürlich die mit Plastik
überzogenen Klemmen.
3) Am Monitor sollten enge Grenzen eingestellt werden und die wichtigsten
Vitalfunktionen (HF, RR, SpO2, ...) monitiert werden.
4) Kontrolle des Katheterlumens: Aspiration von einigen ml Blut und anschließende
Spülung mit NaCl 0.9%. Achtung: An einigen Stationen wird der Dialysekatheter,
wenn er unbenutzt ist, standardmäßig mit Heparin gefüllt!
Desinfektion der Konnektionsstellen.
5) Stopp der Blutpumpe. "Arteriellen" Schenkel vom Duoflac lösen
(vorher abklemmen) und an den roten Konnektor des Dialysekatheters anschließen.
Katheterklemme lösen.
6) Sollte eine Präheparinisierung erwünscht sein (Bolusgabe von
2500/5000/... Heparin), so wird diese nun verabreicht.
7) Start der Blutpumpe mit 60-80 ml/h beim Erwachsenen. Das Blut fließt
in das Hämofiltrationssystem. Hat das Blut fast den venösen Schenkel
passiert und befindet sich kurz vor dem Duoflac, so wird die Blutpumpe gestoppt.
Das abgeklemmte "venöse" System wird an den blauen Katheterkonnektor
angeschlossen und die Klemmen gelöst. Die Blutpumpe wird sofort wieder
gestartet.
8) Überprüfen der am Perfusor eingestellten Fördermenge des
Antikoagulans Kontrolle der Vitalfunktionen und Reaktion auf Veränderungen
wenn nötig.
9) Die Equaline wird durch drücken der Taste "Automatik" aktiviert.
Die am Ultrafiltratausgang angebrachte Klemme wird entfernt. Das Ultrafiltrat
kann abfließen. Es ist zu kontrollieren, ob die Equaline Substitutionslösung
nach spätestens einigen Minuten infundiert. Sollte dies nicht der Fall
sein, so sind alle Sperren und der Gefäßzugang bei Postdilution
zu kontrollieren. Bei Hämodiafiltration ist zusätzlich der Infusomat
zu starten.
10) Anlegen des Verbandes und täglicher Wechsel lt. Pflegestandard. Zusätzlich
Klemmen des großlumingen ZVKs unterpolstern. "Arterielle"
und "venöse" Zuleitungen des Hämofiltrationssystems mit
Pflaster an der Haut fixieren. Als weitere Sicherheitsmaßnahme sollten
mit einer Klemme die beiden Leitungen an das Bettleintuch fixiert werden.
11) Dokumentation von hämodynamischen Veränderungen (falls eingetreten).
Dokumentation der Drücke an der Blutpumpe, der Ultrafiltratmenge pro
Minute, der Blutflussrate und der verwendeten Substitutionslösung am
Hämofiltrationsblatt.
12) An der Tageskurve werden oberhalb der Zeiteinteilung für die Dauer
der Hämofiltration eine blaue und eine rote Linie gezogen. Oberhalb der
roten Linie wird in ebensolcher Farbe die Blutflussrate der Blutpumpe eingetragen.
Oberhalb der blauen Linie wird die Stundenbilanzeinstellung an der Equaline
dokumentiert. Bei Veränderungen eines Parameters muss dies in der Patientendokumentation
vermerkt werden.
Zu beachten ist, dass das Abhänge-Set (Duoflac 250 ml und die beiden Spritzen) und die Klemmen an der Hämofiltration griffbereit gelagert werden müssen!
Wichtige Kontrollen im weiteren Verlauf:
* Hämodynamik (HF, RR, HZV, ZVD, ...)
* Körpertemperatur
* Elektrolyte
* Blutgase (pH)
* Blutbild
Bilanzierungssystem
Bilanzberechnung
Die Bilanzberechnung ist für die exakte Flüssigkeitsführung
des Patienten sehr wichtig. Der Patient sollte anhand von klinischen Daten
(HF, RR, ZVD, PMP, PCWP, HZV, Ödemstatus, Thoraxröntgen, Auskultation,
...) in seinem Flüssigkeitszustand beurteilt werden. Diese Beurteilung
sollte alle paar Stunden erfolgen und die bisherigen Maßnahmen entsprechend
evaluiert werden.
Um eine richtige Tagesbilanz für die nächsten 24 Stunden zu erstellen,
muss man schon im vornhinein die ungefähre Einfuhr berechnen. Man addiert
dazu die Flüssigkeitsmengen aller Anordnungen. Das ergibt die Einfuhr
in den nächsten 24 Stunden.
Möglichkeiten:
a) Ergibt die Untersuchung einen guten Flüssigkeitsstatus,
so kann die Einfuhr fast vollständig wieder abgepresst werden, damit
über 24 Stunden keine große Volumsbelastung mehr entsteht. Die
berechnete Tageseinfuhr (= Bilanzierung total) (Cave: Ausfuhren - Magensaft,
Restharn, etc. - wegrechnen, sonst zuviel Minusbilanz) wird durch 24 Stunden
dividiert. Man erhält so die Menge, um die der Patient pro Stunde an
der Hämofiltration minus bilanziert wird (= Bilanzierungsrate).
Die Bilanzierungsrate wird vom Arzt berechnet und vorgegeben.
Beispiel:
Gesamteinfuhr für die nächsten 24 Stunden: 3000 ml, 600 ml davon
für Magensaft abziehen; 2400 ml sollen also wieder entfernt werden ->
2400 ml/24h -> 100 ml/h minus bilanzieren. Dieser Wert (in ml/h (~ g/h);
"+" für zusätzliche Flüssigkeitszufuhr der Substitutionslösung,
"-" für abzüglich der eingestellten Menge pro Stunde)
wird an der Equaline nach Drücken der Taste "Bilanz" eingestellt.
Es kann am rechten Tastenpaar für Plus/Minus diese Bilanzrate in ml/h
(~ g/h) verändert werden. Das linke Tastenpaar ermöglicht die Einstellung
einer gesamten Bilanzmenge ("Bilanzierung total" - z.B. -2400 ml/h).
D.h., dass bei Bilanzierung total so lange positiv oder negativ bilanziert
wird (Dauer wird durch die Bilanzierungsrate definiert), bis die eingegebene
Gesamtmenge erreicht ist. Nach erreichen dieser Menge alarmiert die Waage.
Beide Zielgrößen müssen bei der Inbetriebnahme eingegeben
werden. Es ist zu beachten, dass das Bilanzierungs-Total und die Bilanzierungsrate
mit dem Vorzeichen (+/-) übereinstimmen. Es kann die Waage nicht stündlich
eine gewissen Menge negativ bilanzieren (Bilanzierungsrate), wenn das Bilanzierungs-Total
einen Volumenüberschuss vorsieht - und umgekehrt. Wenn die Bilanzierungsrate
auf den Wert ±0 eingestellt ist, so braucht das Bilanzierungs-Total
nicht eingestellt werden (Anzeige ist gesperrt).
b) Unabhängige Hämofiltrationsbilanz von der restlichen Flüssigkeitsbilanz. Bei dieser Variante wird die normale Flüssigkeitszufuhr nicht in die Hämofiltrationsbilanz einbezogen. Der Patient kann bei ausgeglichener (±0) Hämofiltrationsbilanz jeden Tag eine nicht unwesentliche Flüssigkeitszuladung erhalten (Cave: Überwässerung).
c) Hämodiafiltration: Dabei wird aus technischen Gründen die Diafiltratmenge nicht von Infusat und Ultrafiltrat abgezogen. Die Infusatmenge besteht dabei aus Substitutionslösung plus der Dialysatmenge, genauso ist die Ultrafiltratmenge die Summe aus eigentlichem Ultrafiltrat und Dialysat. Es sollte jedoch am Hämofiltrationsbaltt neben den Flüssigkeitsumsätzen der letzten 24 Stunden auch die Gesamtdiafiltratmenge dokumentiert werden.
Gesamttagesbilanz & Dokumentation
a) Die gemessenen Werte der Hämofiltrationsmenge sollten alle 1-2 Stunden auf einem speziell für die Hämofiltration gestalteten Blatt dokumentiert werden. Die Dokumentation dient einerseits als Verlaufskontrolle der Ultrafiltration und andererseits zur Sicherheit bei Fehlfunktionen. Wird laufend die Bilanz notiert, so hat man im Falles des Falles einen Anhaltspunkt, der den Fehler so gering wie möglich hält.
b) Dokumentiert wird die Gesamtmenge des Ultrafiltrats und des Infusats, die Equalinebilanz, die gemessenen Drücke im Filtrationssystem, die Ultrafiltratrate und die Blutflussrate. Die verwendeten Substitutionslösungen werden ebenso notiert.
c) Die Bilanz des Hämofiltrationssystems ist in die normale Flüssigkeitsbilanz einzurechnen. Bei Erstellen der Flüssigkeitsbilanz (bei uns alle 6 Stunden üblich) werden wie gewohnt sämtliche Ein- und Ausfuhren (inklusive Restharnmengen!) miteingerechnet. Unter der normalen Flüssigkeitsbilanz wird in einer anderen Farbe (grün) die Hämofiltrationsbilanz notiert (diese wird mit HFL oder Hämofiltration und dem Vorzeichen (+,-) benannt). Die beiden Bilanzen werden addiert und als Gesamtbilanz deutlich erkennbar Rot eingeschrieben. Bei der Hämodiafiltration wird gleich verfahren.
d) Der Bilanzierungszeitraum der Hämofiltration ist gleich dem der normalen Flüssigkeitsbilanz (06.00 bis 06.00 Uhr - 24. Stunden).
e) Der Flüssigkeitsumsatz der Hämofiltration (Infusat, Ultrafiltrat, Bilanz, Diafiltratumsatz - bei Diafiltration) wird am Hämofiltrationsblatt dokumentiert und bei der Visite bekanntgegeben.
f) Bei der Hämodiafiltration muss zusätzlich der Gegenstrom an der Tageskurve notiert werden.
Hämofiltrationsstopp
Ein Stopp der Hämofiltration kann aus folgenden Gründen notwendig werden:
Ultrafiltratrate zu gering (deutlich unter der berechneten
Mindestultrafiltrationsmenge): durch die Auskleidung der Kapillaren mit Proteinen
kann es zum progredienten Verstopfen der Durchtrittsöffnungen kommen.
Kann auch durch Steigern der Blutflussmenge (größerer Druck im
System, somit mehr Filtration) kein signifikanter Anstieg der UF-Menge/min
erreicht werden, muss das System gewechselt werden.
Drücke am Blutmonitor steigen: steigen die Drücke vor allem
am "arteriellen" Schenkel, so ist eine Verlegung der Spulenkapillaren
sehr wahrscheinlich. Steigt hauptsächlich der "venöse"
Druck an, so kann ein Koagel in der "venösen" Luftfalle den
Blutabfluss behindern. In beiden Fällen ist ein Systemwechsel vorzunehmen.
Transport des Patienten zu einer Untersuchung, Behandlung (CT, MRI,
OP, ...). Dabei kann in vielen Fällen das System partiell gebypasst werden
(Duoflacbeutel wird als "Patient" verwendet - die Hämofiltration
läuft wie im Aufbau rund).
Tod des Patienten
Remission der Nierenfunktion - HFL wird nicht mehr benötigt
Akut aufgetretene Probleme (Blutleck, Gerätedeffekt der Blutpumpe,
Katheterfehllagen)
Vorgehen beim Abhängen:
Wenn möglich, sollte das Blut, das sich im Hämofiltrationssystem
befindet, dem Patienten wieder reinfundiert werden. Dies ist bei plötzlichen
Thrombosierungen manchmal nicht möglich.
Die Fixierung des Systems am Patienten lösen und eine Unterlage
einlegen. Das zum Abhängen notwendige Material (muss immer am Gerät
bereitliegen!) patientennahe vorbereiten.
Die Equaline inaktivieren (wie bei Beutelwechsel) und die Ultrafiltratleitung
klemmen.
Die Blutpumpe wird kurz gestoppt.
An das "arterielle" Schlauchsystem wird der kleine Duoflacbeutel
angeschlossen, der ZVK-Schenkel mit Kochsalz durchgespült und abgeklemmt.
Die Blutpumpe wird wieder aktiviert und solange laufen gelassen, bis
das gesamte Blut dem Patienten refundiert wurde.
Blutpumpe erneut stoppen.
"Venösen" Schenkel abhängen und an den Duoflacbeutel
anschließen. Diesen ZVK-Schenkel ebenfalls mit Kochsalz gut spülen
und abklemmen.
Beide Katheterschenkel steril abstopseln.
Blutpumpe abschalten (Schalter "Aus" für 3 sec. drücken)
Hämofiltrationssystem abstöpseln, abbauen und im infektiösen
Müll entsorgen. Die Infusatleitung kann bis zu 24 Stunden wiederverwendet
werden (sollte mehrmals täglich ein Systemwechsel notwendig sein). Auch
das Antikoagulans kann weiterverwendet werden, wenn es nicht mit dem Patientenblut
in Verbindung gekommen ist. Dies wird hauptsächlich bei Verwendung von
teuren Ersatzprodukten (Flolan, Minprog) in Frage kommen.
Werte an der Equaline dokumentieren und Gerät abschalten (speichert
die vorhandenen Werte).
An der Tageskurve mit einem senkrechten Strich die Flow- und die Weightchangelinie
(stündliche Bilanzierungsrate) unterbrechen und mit "Stopp"
beschriften. Wichtig ist, dass das Antikoagulans weitergegeben werden muss.
Dieses sollte über einen ZVK bis zum Neuanhängen mit der halben
Förderrate appliziert werden.
Hinweise, Probleme und Gefahrensituationen
Elektrolytentgleisungen & Blutzuckerveränderungen:
Wichtig sind die engmaschigen Elektrolytkontrollen, die neben
Na+, K+ und Ca++ und Phosphat beinhalten sollten.
* Durch die teilweise kaliumfreien Substitutionslösungen kann es zu bedrohlichen
Hypokaliämien kommen.
* Durch z.B. massiven Zellzerfall kann es zu ausgeprägten Hyperkaliämien
kommen. Eine kaliumfreie Substitutionslösung ist indiziert.
* Auch die Natriumwerte können ansteigen und zu Hypervolämien führen.
Säure-Basenhaushalt-Störungen:
Auch hier ist eine engmaschige BGA-Kontrolle (4-stündlich)
anzuraten.
* Bei Patienten in einem Schockgeschehen kommt es zur metabolischen Acidose,
bei der neben einem sinkenden pH-Wert auch erhöhte Laktatspiegel gemessen
werden können. Katecholamine und andere Medikamente verlieren an Wirkung.
Ist die Hämofiltration zu wenig effektiv, so kann eine Umstellung auf
eine Hämodiafiltration von Nöten sein.
Blutdruckabfälle:
Herzfrequenz, Blutdruck, ZVD, PCWP, HZV, SvO2, ... sind laufend
zu kontrollieren.
* Durch zu raschen oder zu großem Volumenentzug oder durch häufiges
Wechseln der Systeme (Blutverluste) treten Volumenmangelzustände auf.
Anzeichen wie Tachykardie, Hypotonie, sinkendes HZV, etc. sind Alarmzeichen.
Ist eine Volumensubstitution indiziert, so werden nach Arztanforderung kolloidale
Infusionslösungen infundiert. Die Gabe von Bluttransfusionen sollte wohlüberlegt
sein (Infektionsrisiko).
Temperaturveränderungen:
Die Körperkerntemperatur ist durch die Anlage von rektalen
Temperatursonden, Blasenkatheterthermometern oder mit Hilfe eines Pulmonaliskatheters
zu überwachen. Die Messung der Hauttemperatur mit normalen Quecksilberthermometern
liefert ungenaue Werte (z.B. Zentralisation bei Schock) und sollte nicht als
Richtlinie verwendet werden.
* Die Körpertemperatur wird durch den ungewärmten extrakorporalen
Kreislauf gesenkt. Dies kann eine erwünschte, aber auch eine gefährliche
Nebenwirkung sein (bes. bei schockierten Patienten, Kindern, ...). Bei ungewollter
Abkühlung sollten die blutführenden Leitungen und vor allem die
großflächige Spule mit Alufolie umwickelt werden. Die Wärmeabstrahlung
wird damit weitgehend unterbunden. Ebenso ist die Erwärmung der Substitutionslösung
mittels Blutwärmers zu empfehlen. Die Beheizung des Bettes, die Verwendung
von Wärmegeräten, oder eine dicke Decke helfen ebenfalls, den Patienten
vor zu großer Hypothermie zu schützen.
* Kühlung des Patienten bei Hyperthermie, die durch physikalische Maßnahmen
nicht beeinflussbar ist: Leidet der Patient unter einer Sepsis mit hohem Fieber,
so ist anzuraten, durch Kühlung den Sauerstoffverbrauch zu senken. Dabei
sollte die Spule nicht mehr in eine saubere Schüssel, in der sich kaltes
Wasser (ev. etwas Eis zugeben) befindet, gelegt werden. Lt. Auskunft der Fa.
Baxter (1997) kann es zu Veränderungen des Blutes kommen. Wird nach Anordnung
die Spule dennoch gekühlt, empfiehlt sich die Abnahme von Kälteagglutininen.
Blutleck:
Die Blutpumpe ist gegenüber diesem Fehler mit dem Blutleckdetektor
relativ gut abgesichert. Jedoch sollte eine mehrmalige optische Kontrolle
des Ultrafiltrates Standard sein.
* Durch mechanische Einwirkungen (Anstieg des Druckes im Blut > 500 mmHg,
Herabfallen der Spule, ...) kann es zum Brechen der Kapillaren kommen. Ein
sofortiger Wechsel des Hämofilters ist notwendig. Um Blutverluste nach
dem Bruch zu vermeiden, wird die Ultrafiltratleitung sofort abgeklemmt und
das Blut dem Patienten zurückgegeben.
Platzen der Leitung, Diskonnektion:
Im Bereich der Blutpumpe wird der weiche Schlauch des Hämofiltrationssystems
kontinuierlich zusammengepresst. Dabei treten starkte Schwerkräfte auf.
Um Bruch zu vermeiden, darf das System nur bis zu 48 Stunden lang verwendet
werden (lt. MPG nur 24 Stunden) und ist danach auszutauschen. Als zusätzliche
Sicherung dient die Fixierung der Schläuche am Bett mittels Klemmen.
Die Leitungen sind kurz nach der Konnektionsstelle am Katheter mittels Pflaster
festzukleben.
* Bei Bruch der Leitung wird aller Wahrscheinlichkeit nach der Druck am "arteriellen"
Schenkel rapide sinken. Die Pumpe gibt Alarm. Die Hämofiltration ist
sofort zu stoppen. Da eine Rückgabe des Blutes hier eher schwierig sein
wird, ist es sicherer, das System einfach abzuklemmen und als Gesamtes zu
entfernen (Eigenschutz beachten!). Durch nicht sachgemäßes Verbinden
kann es zu Diskonnektion kommen. Es besteht die Gefahr von Blutaustritten
und von Luftembolien am Katheter. Bei Lockerung der Konnektionen kann es zum
langsamen Austritt kommen, der sich nicht immer sofort bemerkbar machen muss.
Besonders gefährdet sind die Druckaufnehmer, die sich in der Vergangenheit
immer wieder gelockert haben. Dabei steigt der Blutspiegel an und kann im
Gerät schwere Schäden anrichten. Bemerkt werden kann dies durch
Absinken der Drücke.
* Bei lockeren Konnektionen genügt es, diese wieder zu verbinden. Sollte
Blut in die Blutpumpe gelangen, so ist das Gerät zu wechseln und ein
Service durch einen Techniker erforderlich.
Infektionsgefahr:
Hygienisches Arbeiten ist Voraussetzung für die patientensichere Bedienung. Eine Händedesinfektion vorf jeglichen Manipulationen sollte erfolgen. Um die Einbringung von Keimen möglichst zu reduzieren, sollte der großlumige zentralvenöse Katheter nur für die Hämofiltration verwendet werden. Bei entzündlichen Veränderungen an der Einstichstelle sollte ein Wechsel des Katheters (Neuanlage) in Betracht gezogen werden. Die Desinfektion des Hämofiltrationsgerätes sollte vor dem Aufbau und routinemäßig einmal pro Tag erfolgen.
Hämolyse:
Die Hämolyse wird immer wieder als Nebenwirkung der Hämofiltration beschrieben. Durch die mechanische Quetschung der Blutkörperchen in der Blutpumpe und durch erhöhte Drücke, welchen die Erythrozyten ausgesetzt sind, kann es zur Hämolyse kommen. Hersteller der Hämofiltrationssysteme geben eine vernachlässigbare Hämolyse an, auch wenn große Blutflussraten angewendet werden. Bei Verdacht kann eine Laborbestimmung der Hämolyse erfolgen.
Luftansaugung:
Das Ansaugen von Luft am "arteriellen" Schenkel wird
durch Ansaugen der Eintrittsöffnung an Gefäßwänden, Diskonnektionen
oder durch Herausrutschen des Katheters verursacht.
* Wird Luft angesaugt, sinken der "arterielle" und auch der "venöse"
Druck ab. Luftblasen sind im "arteriellen" System sichtbar. Ist
die Katheterlage optisch unverändert, so kann das Ansaugen u.U. durch
Drehen des Katheters (dieser ist an der Halteplatte wendbar) behoben werden.
Ist der Katheter "luxiert" und liegt mit der Öffnung außerhalb
des Gefäßbettes, so ist die Neuanlage unumgänglich (Katheter
nicht wieder hineinschieben - Infektionsgefahr, Gefäßendothelverletzungen).
Das Blut darf dann aufgrund der Gefahr von paravasaler Gabe (Blut geht ins
Gewebe) nicht rückinfundiert werden.
Systemausfälle:
Blutpumpendefekt: durch manuelles Kurbeln kann mit dem an der Oberseite angebrachten Griff das Blut in den Patienten rückinfundiert werden (Prozedur: Abhängen).